Conrad VeidtHans Walter Conrad Veidt wurde am 22. Januar 1893 in Berlin geboren.
Er besuchte das Sophien-Gymnasium im Berliner Stadtteil Schöneberg, das er aufgrund schlechter Leistungen vor dem Abitur verließ.
An Max Reinhardts Deutschem Theater begann er 1913 als Schauspielvolontär und trat in kleinen Rollen auf.
Seine Ausbildung konnte er wegen des Ersten Weltkriegs nicht beenden, da er 1914 eingezogen wurde.
1916 wurde er für das Fronttheater freigestellt und konnte sich in klassischen Rollen üben.
Dann ging er nach Berlin an die Reinhardt-Bühnen.
1916/17, noch während des Krieges, erhielt er sein erstes Filmengagement und war Ende des Krieges bereits ein bekannter Filmstar.
1919 wechselte er an die Barnowsky-Bühnen, wo er bis 1921 blieb, um dann ans Renaissance-Theater zu gehen, wo er von 1922 bis 1923 war.
Von 1918 bis 1922 war Veidt mit der Schauspielerin Gussy Holl verheiratet, die nach der Trennung Emil Jannings heiratete.
Hauptsächlich trat er in Richard Oswalds Aufklärungs- und Sittenfilmen neben Anita Berber und Werner Krauß auf, wo er elegante Negativfiguren und gesellschaftliche Außenseiter gab, wie in Anders als die Anderen (1919). In diesem Film verkörpert er, was für die damalige Zeit bemerkenswert ist, einen homosexuellen Geiger, der nach einer Erpressung Selbstmord begeht.
Um für sich selbst geeignete Hauptrollen aussuchen zu können, gründete er 1919 seine eigene Produktionsfirma, wo er unter eigener Regie in Wahnsinn spielt.
Durch sein “dämonisches Aussehen” wurde er meist auf böse Charaktere festgelegt.
Bis heute beeindruckt seine Leistung als Somnambulist in dem Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari von Robert Wiene, wo er neben Werner Krauß mit bizarrer expressionistischer Körpersprache das willenlos mordende Medium Cesare spielte. Mit dieser Rolle legte er sein Image als dämonischer und ideal expressionistischer Schauspieler fest. Er wurde so stilgebend für die Filme des Grauens.
So spielte er in Friedrich Wilhelm Murnaus Der Januskopf (1920), Joe Mays Das indische Grabmal (1921) oder in Paul Lenis Das Wachsfigurenkabinett (1924).
In den 1920er Jahren wurde er durch zahlreiche Rollen zu einem der bestbezahlten Stars der UFA neben Emil Jannings.
Von 1923 bis 1933 war Veidt mit der Schauspielerin Felicitas Radke verheiratet mit der er eine Tochter hatte, Viola Vera Veidt (1925-2004).
In den USA drehte er zwischen 1926 und 1929 vier Filme, in denen er anspruchsvolle Hauptrollen übernahm, wie Alan Croslands The Beloved Rogue mit John Barrymore oder Paul Lenis The Man Who Laughs (1928).
Für den aufkommenden Tonfilm amerikanischer Prägung erwies sich sein ausdrucksvoller Darstellungsstil als zu theatralisch, weshalb er nach Deutschland zurückkehrte.
1929 spielte er dem ersten deutschen Tonfilm Land ohne Frauen (1929).
In Deutschland konnte der Tonfilm seine Popularität nicht schmälern, da seine Stimme durch seine Tätigkeit als Theaterschauspieler exzellent geschult war, so daß er weiterhin in herausragenden Filmproduktionen mitwirkte. Dennoch wurde sein Rollenbild nüchterner.
So spielte er in Eric Charells Der Kongreß tanzt (1931) - in der deutschen wie in der englischsprachigen Version - Fürst von Metternich und feierte einen seiner größten internationalen Erfolge. In der englischsprachigen Verfilmung von F.P.1 antwortet nicht (F.P.1 doesn’t answer) [1933] übernahm er die Rolle Hans Albers’. In diesem Film sang er das Lied “Where the Lighthouse Shines Across the Bay”, das nicht beim Publikum ankam und erst fünfzig Jahre später Erfolg hatte, nachdem DJ Terry Wogan es 1980 in der Radio 2 Frühstückssendung spielte.
Für die erste Dracula-Verfilmung im Jahr 1931 wurde er von Universal Pictures-Besitzer Carl Laemmle für die Titelrolle vorgeschlagen und Paul Leni sollte Regie führen. Doch obwohl dies für seine Internationalität sprach, bekam Bela Lugosi die Rolle und wurde damit weltberühmt. Regie führte Tod Browning
Seine letzte Rolle in Deutschland vor der Emigration nach England war die des Geßler in dem Film Wilhelm Tell.
1933 heiratete er die Ungarin Ilona Preger, geborene Barta, die gleichzeitig seine Agentin war.
In deutschen Theaterkreisen war er als Anti-Nazi bekannt. Dies kam allerdings erst ans Licht, als die Gestapo seine Person genauer unter die Lupe nahm. Als Konsequenz wollte die Gestapo Veidt eliminieren (töten). Doch er erfuhr rechtzeitig von diesem Plan und konnte fliehen.
Nachdem er 1933 vor den Nationalsozialisten mit seiner jüdischen Frau nach London emigriert war, übernahm 1934 die Titelrolle in Lothar Mendes’ Verfilmung Jew Süß (Jud Süß) von Lion Feuchtwanger, der in Deutschland wegen prosemitischer Tendenz verteufelt wurde.
1938 nahm Veidt die britische Staatsbürgerschaft an und setzte seine Karriere erfolgreich fort.
Der Dieb von Bagdad (1940) ist Veidts berühmtester Film aus seiner Zeit in Großbritannien. Danach verließ er England, um dem Bombenkrieg zu entgehen, und ging in die USA. Dort wurden die letzten Szenen für den Film Der Dieb von Bagdad gedreht.
Dort trat er, wie viele andere emigrierte deutsche Schauspieler, überwiegend als Nazi auf. So spielt er in dem Filmklassiker Casablanca (1942) von Michael Curtiz den Major Strasser, der in den 1950er Jahren aus der deutschen Fassung herausgeschnitten und erst in den 1970er Jahren für die Fernsehfassung ergänzt wurde.
1943 hatte Veidt seine letzte Rolle in dem Metro-Goldwyn-Mayer Film Gefährliche Flitterwochen mit Joan Crawford.
Während einer Golfpartie auf dem Golfplatz des Riviera Country Clubs erlitt er einen Herzinfarkt. Sein Leibarzt Dr. Bergman, der ihn mit dem MGM-Mitarbeiter Arthur Field begleitete, konnte nur noch den Tod feststellen.
Conradt Veidt starb am 03. April 1943 in Hollywood, Kalifornien.

Filmographie
Stummfilme

1916
Der Weg des Todes (Rolf)

1917
Der Spion
Die Seeschlacht
Furcht (Indischer Priester)
Wenn Tote sprechen (Richard von Worth)

1918
Das Rätsel von Bangalor (Dinja)
Opfer der Gesellschaft (Ankläger Chrysander)
Colomba (Henrik van Rhyn)
Das Dreimädelhaus (Baron Schober)
Das Tagebuch einer Verlorenen (Dr. Julius)
Jettchen Geberts Geschichte (Doktor Friedrich Köstling)
Es werde Licht! 4. Teil: Sündige Mütter (Herr Kramer)
Dida Ibsens Geschichte (Erik Norrensen)
Henriette Jacoby (Doktor Friedrich Köstling)

1919
Opium (Dr. Richard Armstrong jr.)
Nocturno der Liebe (Frederic Chopin)
Die Mexikanerin
Die Japanerin
Die Prostitution, 1. Teil - Das gelbe Haus (Alfred Werner)
Die Reise um die Erde in 80 Tagen (Phineas Fogg)
Peer Gynt (Ein fremder Passagier)
Peer Gynt - 2. Teil: Peer Gynts Wanderjahre und Tod (Ein fremder Passagier)
Anders als die Anderen (Paul Körner)
Die Okarina (Jaap)
Die Prostitution, 2. Teil - Die sich verkaufen (Alfred Werner)
Prinz Kuckuck - Die Höllenfahrt eines Wollüstlings (Karl Kraker)
Wahnsinn (Bankier Lorenzen)
Unheimliche Geschichten (Der Tod (framing story)/Der Fremde (Episode 1)/Der Mörder (Episode 2)/Reisender (Episode 3)/Clubpräsident (Episode 4)/Ehemann (Episode 5)

1920
Künstlerlaunen (Arpad, ihr Kind)
Nachtgestalten (Clown)
Satanas (Lucifer/Hermit/Gubetta/Grodski)
Das Cabinet des Dr. Caligari (Cesare)
Der Reigen - Ein Werdegang (Petre Karvan)
Patience (Sir Percy Parker)
Die Nacht auf Goldenhall (Lord Reginald)
Die Augen der Welt (Julianne’s Liebhaber)
Kurfürstendamm (Teufel)
Der Januskopf (Dr. Warren/Mr. O’Connor)
Moriturus (Wilmos)
Abend- Nacht - Morgen (Brilburn)
Manolescus Memoiren (Manolescu)
Weltbrand (Christian Wahnschaffe)

1921
Das Indische Grabmal - Die Sendung des Yogi (Ayan III., Maharadscha von Bengal)
Menschen im Rausch (Professor Munk, Komponist)
Das Geheimnis von Bombay
Der Gang in die Nacht (Der Maler)
Liebestaumel (Jalenko, Zigeuner)
Die Liebschaften des Hektor Dalmore (Hektor Dalmore)
Sehnsucht (Tänzer)
Christian Wahnschaffe, 2. Teil - Die Flucht aus dem goldenen Kerker (Christian Wahnschaffe)
Der Graf von Cagliostro (Minister)
Landstraße der Großstadt (Raphael, der Geiger)
Danton
Lady Hamilton (Lord Nelson)
Das Indische Grabmal - Der Tiger von Eschnapur (Ayan III., Maharadscha von Bengal)
Der Leidensweg der Inge Krafft (Hendryck Overland)

1922
Lucrezia Borgia (Cesare Borgia)

1923
Glanz gegen Glück (Graf)
Paganini (Nicolo Paganini)
Wilhelm Tell (Hermann Gessler)

1924
Carlos und Elisabeth (Don Carlos)
Orlacs Hände (Orlac)
Das Wachsfigurenkabinett (Iwan, der Schreckliche)
Nju - Eine unverstandene Frau (Der Liebhaber, ein Dichter)

1925
Liebe macht blind (Dr. Lamare)
Le Comte Kostia (Count Kostia)
Schicksal (Graf L. M. Vranna)
Ingmarsavet (Hellgum)

1926
Der Geiger von Florenz (Der Vater)
Die Flucht in die Nacht (Heinrich IV.)
Der Student von Prag (Balduin, ein Student)
Kreuzzug des Weibes (Der Staatsanwalt)
Die Brüder Schellenberg (Wenzel Schellenberg/Michael Schellenberg)
Dürfen wir Schweigen (Paul Hartwig)

1927
The Beloved Rogue (King Louis XI.)
A Man’s Past (Paul La Roche)
The Last Performance (Erik the Great)
Gesetze der Liebe (Paul Körner)

1928
The Man Who Laughs (Gwynplaines Vater, Gwynplaine)

Filmographie
Tonfilme

1931
Der Kongreß tanzt (Fürst Metternich)
The Congres Dances (Prince Metternich)

1934
Jew Süss [Jud Süß] (Joseph Süß Oppenheimer)

1937
Under the Red Robe [Unter der roten Robe] (Gil de Berault)

1939
The Spy in Black (Capitain Hardt)

1940
Contraband (Capitain Andersen)
Escape (General Kurt von Kolb)
The Thief of Bagdad [Der Dieb von Bagdad] (Jaffar)

1941
A Woman’s Face [Die Frau mit der Narbe aka Erspressung] (Torsten Barring)
All Through the Night [Agenten der Nacht] (Franz Ebbing)

1942
Casablanca (Major Strasser)

1943
Above Suspicion [Gefährliche Flitterwochen] (Hassert Seidel)

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